Hallo ,

unser sechster Newsletter erzählt von Sitten und Gebräuchen in Deutschland, zwei edlen Spendern und einem deutsch-arabischen YouTube-Kanal. Empfehlen möchten wir Ihnen auch den Beitrag von Claudia Nogowski über ihre erste Begegnung mit ihren afghanischen Sprachschülern. Wer das Grußwort unseres Bürgermeisters noch nicht kennt, findet es ebenfalls in diesem Newsletter und auf unserer Website

Wir wünschen Ihnen einen schönen 2. Advent. 

Herzlichst,
Ihr Kommunikations-Team

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Kleine Pause für Kleiderspenden

Unsere Sachspenden-Aufrufe haben eine so tolle Resonanz erfahren, dass wir nun sogar darum bitten müssen, vorerst keine weitere Kleidung zu bringen. Sie fließt nicht schnell genug ab, und unser Platz ist begrenzt. Wir wären allen Spendern in spe daher sehr dankbar, wenn sie ihre Kleidung noch eine Weile bei sich behalten könnten. Sobald sich die Situation ändert, geben wir's auf unserer Website bekannt. Vielen Dank für Ihr Verständnis! 

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In Deutschland schüttelt man sich die Hände

Man sitzt in Deutschland stundenlang im Zug schweigend nebeneinander, schüttelt sich zur Begrüßung die Hände, trinkt Leitungswasser und küsst sich in aller Öffentlichkeit. Das klingt normal? Menschen aus anderen Ländern staunen bisweilen, für sie muten einige unserer Gepflogenheiten eher bizarr an. 

Für gebürtige Deutsche und jeden, der seit langer Zeit hier lebt, sind viele Dinge selbstverständlich, die für Flüchtlinge häufig überraschend, ungewöhnlich und manchmal befremdlich wirken müssen. Zum Beispiel, dass es in Deutschland normal ist, stundenlang im Zug oder Restaurant neben Fremden zu sitzen und nur “Guten Tag” oder “Auf Wiedersehen” zu sagen. Oder dass man sich unter Freunden häufig mit einer Umarmung, manchmal auch mit einem Kuss auf die Wange, begrüßt und das eine absolut nicht-sexuelle Geste der Freundschaft ist.

Der Refugee Guide weist auf eine Vielzahl solcher Sitten und Gebräuche hin und hat sehr nützliche Tipps für das Leben in Deutschland in einer Broschüre zusammengestellt. Das Besondere an diesem Guide: Er wurde in enger Zusammenarbeit mit Menschen, teils Geflüchteten, aus verschiedensten Ländern wie zum Beispiel Syrien, Afghanistan, Sudan, Ägypten oder Palästina und unter der Mitwirkung sehr vieler ehrenamtlicher Unterstützer verfasst. Der Refugee Guide ist in elf Sprachen online verfügbar und kann im PDF-Format heruntergeladen werden.

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Druckerei Mahler unterstützt Flüchtlinge mit Broschürendruck

Gesellschaftliches Engagement von Unternehmen ist längst nicht selbstverständlich. Umso lieber stellen wir die Druckerei Otto W. Mahler in der Waldhofstraße vor, die für Ellerbeker Flüchtlinge den Refugee Guide, eine nützliche Orientierungshilfe für den Start in Deutschland, in mehreren Sprachen drucken möchte.

Die Druckerei Mahler ist ein Familienbetrieb in dritter Generation und seit 1988 in Ellerbek ansässig; gegründet wurde sie 1911 in Hamburg-St. Pauli. Mit einem Mix aus Traditionsbewusstsein und modernsten Technologien verfolgt Inhaber Stefan Gerdes das Ziel, neue Trends und Standards zu setzen und Innovationen voranzutreiben. So konsequent wie das Unternehmen hohe Qualität und Zuverlässigkeit in der Betreuung seiner Kunden umsetzt, so engagiert es sich auch für einen sinnvollen Umgang mit der Natur und für unsere Gesellschaft: Die Druckerei Mahler unterstützt Kindergärten und Schulen im Kreis Pinneberg und ist Sponsor der 1. Damen des SC Egenbüttel.
druckerei-mahler.de
carvinyl.de

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Dank “JARFizz”-Spende zum Weihnachtsmarkt

Beim Geburtstagskonzert des Trios “JARFizz” Mitte November in Ellerbek ging die Post ab. 200 Gäste feierten und swingten mit Ruth Bednarski-Köller, Annegret Eggerstedt und Jasmin Rafii. Den Erlös aus dem Getränkeverkauf haben die drei Musikerinnen den Ellerbeker Flüchtlingen gespendet. Die Summe ist eine tolle Überraschung!

600 Euro sind zusammen gekommen – eine schöne Unterstützung für die Arbeit von “ELLERBEK HILFT”. Ein Teil der Spende finanziert einen Ausflug mit Flüchtlingskindern zu einem Weihnachtsmarkt wie beispielsweise dem Pinneberger Weihnachtsdorf (Bild). Dort wartet in festlicher Atmosphäre auf dem liebevoll geschmückten Platz ein spannendes Kinderprogramm mit Basteln, Kasperltheater und Nikolausumzug.

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Begegnung

Claudia Nogowski ist Mitglied unseres Sprachunterrichts-Teams. Sie erzählt von ihrem ersten Treffen mit der afghanischen Familie, der sie seit diesem Tag Deutschunterricht gibt. Claudia ist weder Lehrerin noch Sozialpädagogin und ist deshalb sehr nervös. Doch dann kommt alles ganz anders … 

"Wie verabredet, hole ich die Familie um 10 Uhr mit dem Auto von zu Hause ab. Ich werde von den Eltern strahlend begrüßt. Eine andere Helferin hat netter Weise schon am Vortag mit Hilfe eines Dolmetschers angekündigt, dass ich mit ihnen gemeinsam nach Hamburg fahren werde und wir dort ebenfalls einen Dolmetscher treffen, um Grundsätzliches zu klären und Fragen sowohl ihrer- als auch meinerseits zu beantworten. (Verflucht – bin ich nervös).

Wir fahren los und um gar nicht erst peinliche Stille aufkommen zu lassen, beginne ich mit dem Deutschunterricht: 'Auto, Autos, ein Auto, mehrere Autos, Straße, usw…'  Ich animiere sie, mir nachzusprechen. Sie tun es – und zwar sehr gut. Das Eis ist gebrochen. Beide haben Humor. Puh, erste Erleichterung macht sich bemerkbar. Ich lerne die Vornamen des Vaters, der Mutter und der beiden Söhne. Man beschmunzelt meine Aussprache – na wartet: Ich erinnere an meinen Vornamen: Cl…Clo…Cla..???  Beide zögern. Ich zeige mich, natürlich mit Witz und Humor, sehr empört. Wir lachen alle. In Hamburg angekommen, treffen wir den Inhaber eines afghanischen Bistros. Meine Mutter kauft dort gern ein – so ist der Kontakt überhaupt entstanden.

Wir haben ungefähr zwei Stunden Zeit, da der Vater seinen Sohn von der Schule abholen muss. Ich habe Fragen vorbereitet und bitte den afghanischen Bistrobesitzer, dem Ehepaar zu sagen, dass sie nur die Fragen beantworten sollen, die ihnen angenehm sind. Während des Gesprächs fällt auf, dass die Frau sehr zurückhaltend ist – aber jedes Lächeln, das ich ihr rüberschicke, bekomme ich zurück. Der Vater des Bistrobesitzers, der ebenfalls dort arbeitet, serviert uns Tee und begrüßt die beiden. Wir arbeiten uns durch meinen Fragenkatalog und schwupp ist es 11:15 Uhr. Wir müssen los. Aber man lässt uns nicht gehen, sondern besteht darauf, dass das Ehepaar noch Leckereien aus der Bistroküche mitnimmt. Sie zögern, aber mein wildes Gestikulieren, womit ich ihnen sagen möchte: 'Ja, ihr müsst das annehmen. Das ist lecker!' überzeugt sie schließlich und wir warten. Während in der Küche gezaubert wird, unterhält sich der Rest der Gastronomenfamilie mit meinem Schülerpaar. Ich hab’ das Gefühl, dass ihnen der kurze Austausch gut tut.

Auf der Rückfahrt wird der Deutschunterricht fortgesetzt. Wir wiederholen und lernen neue Vokabeln. Da es mittlerweile schon ziemlich spät ist, erleichtert mein Fahrstil, die Wörter 'schnell' und 'langsam' zu erklären. An der Schule gabeln wir den zauberhaften Sohn auf. Ich stelle mich vor und bekomme eine fast akzentfreie Vorstellung zurück. Ich bin beeindruckt und zeige meine Begeisterung. Wir fahren nach Hause. Auf dem Rückweg lernen wir weiter. Eine Kuh auf der Wiese veranlasst mich zu muhen und das Wort 'Kuh' sitzt schnell. Ich führe die Tierpalette fort und belle und miaue mich nach Ellerbek und setze das Ehepaar schließlich zu Hause ab. Ich verabschiede mich und merke, dass ich nicht die Einzige bin, die sich auf den zukünftigen Unterricht freut."

Claudia Nogowski

(Foto © Qorilla)

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Grußwort

… des Bürgermeisters der Gemeine Ellerbek, Günther Hildebrand


Liebe Ellerbekerinnen und Ellerbeker,

unsere Gemeinde nimmt wie alle anderen Kommunen in den nächsten Wochen und Monaten Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten wie beispielsweise Syrien, Afghanistan, aus dem Irak oder Eritrea auf.

Im ersten Schritt beschäftigt uns als Gemeinde die Frage der Unterbringung – kein leichtes Unterfangen, denn Wohnraum ist Mangelware. Doch sie ist nur ein kleiner Teil dessen, was zur erfolgreichen Integration von Flüchtlingen gehört. Die Unterkünfte werden dann mit dem Notwendigsten, zu einem guten Teil aus Sachspenden, ausgestattet. Die Kinder der Flüchtlinge sollen schnell in die KiTa oder Schule gehen. Weiter sind Sprachkurse essenziell. Bei Behördengängen bedarf es anfangs noch Unterstützung; für die Mobilität, beispielsweise per Fahrrad, muss gesorgt werden. Und natürlich sollen unsere neuen Mitbürger in Integrationskursen unsere Regeln kennenlernen –  die Rechte und Pflichten, Formen des Zusammenlebens und Werte, die uns wichtig sind, von der Religionsfreiheit über Toleranz bis zur Gleichberechtigung. Auch der Zugang zum Arbeitsmarkt, zunächst durch die Vermittlung von Praktika, gehört zu den Aufgaben.

All der Themen, die sich an die administrativen Maßnahmen des Amtes Pinnau und der Gemeinde sowie die Wohnraumbeschaffung anschließen, inklusive Spendenwerbung, das Schaffen von Treffpunkten und Vermitteln von Patenschaften, haben sich weit über 40 Ellerbekerinnen und Ellerbeker freiwillig und spontan angenommen und sich in der bürgerlichen Initiative “ELLERBEK HILFT” organisiert. Ohne sie, das sei hier in aller Deutlichkeit gesagt, wäre das alles nicht machbar. Ich möchte mich deshalb herzlich für den Einsatz dieser engagierten Bürgerinnen und Bürger bedanken und sichere ihnen jede mir mögliche Unterstützung zu. Auch den zahlreichen Ellerbekerinnen und Ellerbekern sowie den Unternehmen, die unsere Flüchtlinge mit großzügigen Sach- und Geldspenden und mit tatkräftiger Mithilfe unterstützen, gilt mein ganz besonderer Dank.

Die Integration von Flüchtlingen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe; wir alle sind gefragt.  Ich bin angesichts des Engagements der Ellerbekerinnen und Ellerbeker und der Unterstützung aus unserer Gemeinde, sei es von unseren Vereinen und Organisationen oder von unseren Kirchen, der Schule, der KiTa, dem Kinderkleidermarkt und vieler, vieler anderer sehr zuversichtlich, dass wir einen offenen und fairen Umgang mit unseren neuen Mitbürgern pflegen und die Herausforderung erfolgreich meistern werden.

Ihr
Günther Hildebrand

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YouTube-Kanal: Deutschland für Anfänger في العربية und Deutsch

Isabella Müller-Reinhardt und Abir Alhaffar haben einen YouTube-Kanal ins Leben gerufen, den sie selbst so vorstellen: “Deutschland für Anfänger” richtet sich an arabisch sprechende Menschen, die neu nach Deutschland gekommen sind. Über Deutschland gibt es viel zu erfahren und zu wissen. Gesetze, Verhaltensregeln, Gewohnheiten, Traditionen, Rechte und Pflichten. Mit unseren Videos möchten wir Neuankömmlingen den Start in Deutschland etwas erleichtern. Verstehen wie Deutschland funktioniert, ist Grundlage für ein friedliches Miteinander. Jeder Mensch hat die gleichen Pflichten und muss sich an das deutsche Gesetz halten. Aber Jeder hat auch die gleichen Rechte. Unsere Videos sollen motivieren, die deutsche Sprache zu lernen und sie sollen den neuen Bürgern Deutschland etwas näher bringen.

يتوجه برنامج المانيا للمبتدئين, الى الناطقين باللغة العربية, القادمين الى المانيا للمرة الاولى. توجد الكثير من المعلومات التي من الواجب معرفتها والاطلاع عليها: القوانين, قواعد السلوك, العادات, التقاليد, الحقوق والواجبات. نحن نسعى ان نسهل الانطلاق في المانيا بواسطة الفيديو. بشكل طبيعي لدى المواطنين الهاربين الكثير من الاسئلة. نود الاجابة عليها. ان تعرف ما هي المانيا هو الاساس للعيش المشترك بسلام. على كل انسان نفس الواجبات كما عليه الالتزام بالقوانين الالمانية. ولكن له ايضا نفس الحقوق. ان الهدف من الفيديو التشجيع لتعلم اللغة الالمانية وجعل المانيا اقرب الى المواطنين الجدد.

Danke für den Hinweis an unsere KollegInnen von “Willkommen in Halstenbek”, die den Kanal dank dieses Berichts auf Stern.de gefunden haben!

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